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L' EPIFANIA TARCENTINADer geheimnisvolle Zauber der Zwölften Nacht, und zwar der Epiphanie, die die letzte Nacht der Weihnachtszeit ist, hat die Völker Europas, des Mittelmeerraumes und des Nahen Ostens immer bezaubert, und die ältesten folkloristischen Traditionen sind eng mit dieser Nacht verbunden. Diese Traditionen können jedoch in zwei Kategorien aufgeteilt werden: eine Kategorie ist laut, scherzhaft und saturnisch, und beruht auf einer Lustigkeit, die typisch der Faschingszeit ist. Die andere Kategorie ist rituell und hieratisch und wird sowohl von magischen als auch von sakralen Einflüßen gekennzeichnet, sie erinnert an alte Liturgien und wird noch von Advent und Weihnachten stark beeinflußt. Die Epiphanienfeuer in Friaul, die "Pignarûi" oder "Palavins", gehören zu dieser zweiten Kategorie, obwohl sie in ihrer feierlichen Einfachheit im Unterschied zu anderen Traditionen der Weihnachtszeit in Mittel- und Nordeuropa von keinen "rohen Teufeln und bizarren Hexen" begleitet werden. Das dreitausendjährige Ritual ist eng mit der keltischen Kultur verbunden, obwohl seine Herkunft noch unklar und älter ist. Und die Feuer dieser alten Dreikönigstagstraditionen werden in Tarcento auch dieses Jahr mit besonderer Feierlichkeit und Seligkeit glänzen. Tarcento will kein Monopol auf diese vorchristiliche und früher weit verbreitete Tradition der "Pignarûi" ausüben, die den Völkern aus Friaul so sehr am Herzen liegt. Es ist jedoch dieser Stadt zu verdanken, wenn diese Tradition in den letzten 73 Jahren am Leben gehalten wurde, obwohl sie fast verschwunden war. Tarcento hat diese Tradition feierlich neu belebt und ähnliche Initiativen in zahlreichen Orten und Dörfern in Friaul beflügelt. Das ist der Grund, warum in der Dreikönigsnacht die friulanische Landschaft wie ein umgekehrtes Firmament aussieht, genauso wie es vor 150 Jahren zur Zeit von Ippolito Nievo passierte, oder noch zur Zeit der Langobarden, der ersten Römer und derjenigen, die noch früher diese Gegend zwischen Adriasee und Alpen bewohnt hatten. Tarcento ist also zurecht, zusammen mit Gemona und Cividale, eine der "Hauptstädte" des friulanischen Epiphanienfests. Dank den Bemühungen und den Initiativen sines Rates im Rahmen des friulanischen Epiphaniefests in Tarcento, beschäftigt sich der Verein Pro Tarcento, der von der kommunalen Verwaltung zum Schutz der wichtigsten volkskundlichen Feuerveranstaltungen in Friaul stark unterstützt wird, insbesondere mit der "Liturgie des Feuers", um das Feuer zur zentralen Hauptfigur dieses Fests zu machen. Auf diese Weise wird die echte Tradition in den Vordergrund gerückt, indem die wichtigsten Themen der alten traditionellen Zeremonien wieder hervorgehoben und unter einem modernen Gesichtspunkt interpretiert werden können. Am 5. Januar wird ein langer, interessanter und intensiver Vortag gefeiert. Die Personen, denen die Vorbereitung der Stapel und der Scheiterhaufen und die Verbrennung des Feuers auf den Hügeln und Bergen in den verschiedenen Ortschaften obliegt, die "Pignarulârs" genannt werden, treffen sich auf der Bühne der historischen Erinnerungsveranstaltung, um von den Händen des "Alten Ehrwürdigen" das Feuer für die Verbrennung des "Pignarûl" zu bekommen. Dies erinnert daran, daß ursprünglich am Abend des 5. Januar nach dem Weihwassersegnen die Jugendlichen die Flamme des gesegneten Feuers vom Kohlenbecken beim Eingangstür der Kirche bekamen, und den "Alten" der Ortschaft begleiteten, um das "eigene" Palavin zu verbrennen. Der Umzug der zahlreichen "Pignarulârs" wird die Straßen von Tarcento mit ihren feierlichen Fackeln beleuchten, genauso wie sich die früheren antiken Umzüge von den Kirchen zu den Stapeln und Scheiterhaufen der einzelnen Ortschaften bewegten, die für das Feuer schon bereit waren (in Friaul und in Karnien nach dem Weihwasser des Dreikönigstages; in Slowenien nach dem Wassersegnen am Karsamstag). Der Fackelzug wird mit dem eindrucksvollen Rennen der glühenden Karren beenden und die Vertreter der verschiedenen Ortschaften werden versuchen, den "Palio dei Pignarulârs" in Viale Marinelli zu erobern, genauso wie es im römischen Zirkus passierte. Deser Wettkampf wird vor der Verbrennung des "Pignarûl" am Nachmittag des Dreikönigstages stattfinden. Zur selben Zeit werden sowohl das Große Pignarûl in Coja, als auch die anderen kleinen und großen Feuer des Tals von Tarcento, auch Perle von Friaul genannt, und der ganzen Region verbrannt. Am Abend des 6. Januar wird der prunkvolle und reiche historische Umzug die Anwesenden entlang den Gassen und Plätzen zur Erinnerung an die alten mittelalterlichen Epiphanientage begleiten. Unter den Anwesenden zählen der Graf von Görz und Gerardo da Camino, die mit Artico di Castello, Herrn von Tarcento, verwandt sind; die Grossumbergo aus Gemona und die nicht besonders freundlichen Savorgnani, zusammen mit den Familien Zuccola, di Prampero und Villalta mit ihren Damen. Es wird ein eindrucksvoller Umzug mit adligen Paaren und den dazugehörigen Gefolgen in ihren Kostümen aus der XIV Jh. vorbeiziehen. Nicht zu vergessen sind der Patriarch Raimondo della Torre und Artico, auch Articone genannt, der Tarcento wiedervereint hat, zusammen mit seiner Frau Soladamor aus Zuccola; die Zeremonie der Investitur wird auf der Haupttreppe am Ende der Allee zwischen den Residenzen der Familie "di Castello-Frangipane". Danach wird der "Vieli Venerand", der Alte Ehrenwürdige, der gleichzeitig die Rolle des Großvaters und des Erzählers spielen wird, den ihn umringenden Kindern ein historisches Ereignis erzählen: die feierliche Feudalinvestitur des Adligen Artico di Castel Porpetto des unteren Teils von Tarcento seitens des Patriarchen von Aquileia, Raimondo della Torre. Die Zeremonie fand im Jahr 1290 statt. Am Ende der Erzählung wird der Alte Ehrenwürdige das "Buch der Geschichte" schließen, die christliche Tradition der Heiligen Drei Könige wieder in Erinnerung rufen, und die schönsten Ereignisse aus den vergangenen Weihnachts- und Dreikönigstagen seines Lebens erzählen. Auf diese Weise wird er die geistliche Rolle des Dorfoberhauptes spielen, die der Rolle des jüdischen Familienoberhauptes zu Oster und für die Erinnerung an den Exodus ähnlich ist. Er wird die Anwesenden einladen, ihm mit den Fackeln auf den Weg zur Steigung von Coja zu folgen, um die antiken Ritualen erneut zu erleben. Da oben, neben den Trümmern des alten Schlosses der Frangipane, woraus man sogar das Meer sehen kann, wird das "Pignarûl Grant", das Feuer der Voraussagen, verbrannt, und während Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen die Fackel auf das Feuer werfen, wird der Alte den Feuerrauch interpretieren und die Zukunft voraussehen:"Se 'l fum al và a sorêli jevât cjape 'l sac e vâ a marcjât". (Wenn der Rauch Richtung Osten geht, wirst du regelmäßig mit dem Sack zum Markt gehen), aber "Se 'l fum al và a sorêli a mont cjape 'l sac e vâ a pal mont". (Wenn der Rauch Richtung Sonnenuntergang geht, nimm deinen Sack und verliß dein Land).
 
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